Die längst überfällige St. Paddys Day Geschichte und nur eine Woche zu spät.;)
Dafür ist sie aber etwas länger als sonst von mir gewohnt, bin selber ganz platt (Die Halloween Geschichte dagegen ist immer noch nicht fertig...)
Also nachträglich noch Lá fhéile Pádraig Sona Daoibh alle miteinander*
O'Reilly, Finnegan, Conolly und Morrison waren extra schon am 16. in die Stadt gefahren, damit sie am nächsten Tag so früh wie möglich unterwegs sein konnten, ohne vorher Stundenlang im Zug sitzen zu müssen.
Das machten sie schon so seit sie junge Burschen waren, kaum den kurzen Hosen entwachsen. Und da sich alle 3 schon (sehr) weit rechts der 70 befanden, war das eine sehr lange Zeit. Nur Morrison konnte da nicht mithalten, er war erst 60 und galt noch als Jungspund.
O'Reilly's Sohn Pádraig wohnte am Rande der Stadt in einem umgebauten Pferdestall und O'Reilly schüttelte jedes mal erneut den Kopf , wenn er sah, wie sehr sich die Umgebung verändert hatte. Er öffnete gerade den Mund, da sagte sein Sohn schon: "Ich weiß, Papa: 'Na ja, Jungchen, als du noch kaum größer warst als ein Hosenknopf, gab's hier nur Wiesen und Felder."
O'Reilly grinste und boxte dem "Jungchen" freundschaftlich an die Schulter.
Später am Abend war es nicht leicht, die aufgeregten Zwillinge ins Bett zu scheuchen. Sie liebten es, wenn Opa Dan und Opa Finn zu Besuch kamen und besonders zu Gelegenheiten wie diesen.
Aber endlich waren die beiden Quietsch-sauber und im Schlafanzug und kuschelten sich in ihre Betten. Mit vor Müdigkeit schon fiebrig aussehenden Augen bettelten sie wieder und wieder um die alten Geschichten, die die beiden Alten ihnen nur zu gern erzählten: wie das Elefantenkind zu seinem Rüssel kam, das Märchen vom Schneider Fingerhütchen, Paddy Corcoran's Frau und eine völlig frei erfundene Geschichte von Finnegan, der behauptete, St. Patrick habe keinen Spinat essen wollen.
Am nächsten morgen waren die Racker natürlich zuerst wach, zerrten Finnegan und Opa Dan aus dem Bett, inhalierten ihr Frühstück und wären am liebsten im Schlafanzug los gezogen. Endlich waren alle Ausgeh-fertig und jeder trug etwas grünes, damit ihn die Leprechauns nicht sehen konnten, denn wer heute kein Grün trug, den zwickten sie. Gezwickt werden wollten die Zwillinge zwar nicht, aber einen Leprechaun wollten sie schon fangen. O'Reilly hatte den beiden nämlich erklärt, daß wer das Glück hatte einen der kleinen Kobolde zu fangen, ihn dazu zwingen konnte daß er sein Gold herausrückte, das am Ende des Regenbogens versteckt war. Man durfte bloß nicht weg-gucken, sonst machte sich der Kerl aus dem Staub. das Gold konnten die Jungs wirklich gut gebrauchen, denn sie mussten absolut und unbedingt ein echtes Feuerwehrauto haben.
Es war herrlich, sogar das Wetter spielte mit und man war sich allgemein einig, dass Petrus wohl doch Ire war, denn er hielt die Regenwolken fern. Die Messe zu Ehren des Schutzpatrons der grünen Insel war proppenvoll. Auf den Straßen waren Iren, Deutsche, Schweden und Amerikaner unterwegs, von Kopf bis Fuß in grün gehüllt, die Gesichter grün, weiß und orange geschminkt in den Farben der Irischen Fahne und alle genossen es für einen Tag Ire zu sein. Es war sogar eine Gruppe Japaner dabei, die sich gegenseitig fotografierten wie sie grünes Bier tranken, Hüte mit Riesen Kleeblättern daran aufsetzten und wie sie vor Pubs und Guinness Reklametafeln posierten.
Auch die Parade war wieder sehenswert und bildete den Abschluss einer vollen Woche von Feiern und allerhand kultureller Veranstaltungen. Blaskapellen, bunt gewandete Gestalten, die Fantasiekostüme oder historische Gewänder trugen, Festwagen und sogar eine Truppe Akrobaten waren zu sehen. O'Reilly liebte die Volkstanzgruppen am meisten, Jungen und Mädchen mit frischen Gesichtern, die je nach dem schwarze Hosen und lockere weiße Hemden trugen oder hübsch mit keltischen Mustern verzierte grüne Kleider und glänzende schwarze Lackleder Schuhe. Jeder Schritt der komplizierten Tänze war perfekt und es juckte O'Reilly gewaltig mitzumachen. Man mochte es ihm gewiss nicht mehr ansehen, aber in seiner Jugend konnte niemand im Dorf einen Gigue tanzen wie Danny O'Reilly. Begeistert klatschte er Beifall.
Seine Shannon war ebenso begeistert bei der Sache gewesen wie die Mädchen in der Parade. Die Locken hüpften als besäßen sie ein Eigenleben, die Augen strahlten fröhlich mit dem lächeln um die Wette und rot wie Äpfel leuchteten ihre Wangen. Je schneller die Musik spielte, desto lieber tanzte sie und manchmal gab es einen Wettbewerb zwischen Shannon und dem Fiedler, wer denn wohl zuerst aufgab.
Neben O'Reilly tauchte plötzlich eine nicht mehr ganz junge Amerikanerin auf, die ein T-Shirt mit der Aufschrift "Küss mich, ich bin Irin!" trug und strahlte ihn an. So was ließ sich O'Reilly natürlich nicht zweimal sagen und gab ihr einen herzhaften Schmatz auf die Wange. "Na ja," sagte O'Reilly, "kommt ja in meinem Alter auch nimmer so oft vor, nicht?"
Heimlich kippte er sein grünes Bier in Conolly's Pappecher. So groß war sein Durst nun auch wieder nicht.
Nach einer weile zogen sich die vier Alten in ein ruhiges Pub ein paar Straßen weiter zurück. Man hatte ausgiebig mit den Jungen gefeiert, nun wollten sie das auf ihre Weise tun. Es gab traditionell Grünkohl und Cornedbeef zum Mittagessen und man ließ es sich schmecken.
In der Ecke saß auf einem hohen Stuhl ein junger, lockenköpfiger Musiker und sang "Éirinn go brách."
"Na ja," sagte O'Reilly, "weißt du Finn, wenn du mich fragst, es kann einem nichts bess'res passieren, als Ire zu sein."
Er trank einen großen Schluck Bier (Cornedbeef macht durstig) und zeigte auf einen Japaner der gerade zur Tür herein stolperte.
"Selbst wenn's bloß für einen Tag lang ist."
A/N:*
Redwolf vom Foglam Gaeilge Forum war so nett, mir "Happy St. Patrick's Day" in's Gälische zu übersetzen.
Lá fhéile Pádraig Sona Daoibh bedeutet also demnach Happy St. Patrick's Day, wenn man eine Gruppe anspricht. Der Titel bedeutet das gleiche für eine Einzelperson.
Genug der Belehrungen, wo ist mein Guiness?
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