Sonntag, 13. Juni 2010

Breithlá sona duit, O'Reilly!

Für die Geburtstagskinder heut:
Breithlá sona duit. Bail ó Dhia ort.*

 


Danny O'Reilly guckte selten auf den Kalender.
Wozu auch? Wenn man mal in einem gewissen Alter war, deprimierte einen das doch nur. Da ließ er's lieber gleich ganz bleiben. In der letzten Zeit erst recht.
Der Kalender in der Küche zeigte schon seit Monaten dasselbe Datum. Trotzdem verging Tag um Tag, rückte ein bestimmter immer näher. Aber keine noch so kleine Markierung deutete auf den "Tag X" hin und das war dem Alten auch ganz recht so. Er erlaubte sich einfach mal eine Gedächtnislücke und tat so, als habe er vergessen, was da wieder vor der Tür stand.
Dummerweise hatten jedoch andere keinerlei echte oder erfundene Gedächtnislücken und wohl auch andere Kalender als O'Reilly.
Schon beim Frühstück ging es los. O'Reilly hatte sich gerade mit einer großen Tasse Tee und der Zeitung am Frühstückstisch gemütlich gemacht und wollte die Todesanzeigen lesen, da lärmte das Telefon im Wohnzimmer. Er beschloss es zu ignorieren. Finnegan konnte immerhin sein Hörgerät ausschalten und behaupten, die Batterie sei alle. O'Reilly musste das Radio lauter drehen.
Als das vermaledeite Ding kurz darauf erneut losschrillte, war ihm die Lust auf Frühstück vergangen. Er nahm seine alte Schiebermütze vom Haken, steckte Schlüssel und Brieftasche ein und warf ein Sofakissen auf den Telefonapparat, der sich erneut bemerkbar machte.
Als er jedoch die Haustür öffnete, konnte er schon von weitem die Witwe Conolly sehen, die eindeutig auf sein kleines Cottage zusteuerte. Sie hatte einen großen Behälter dabei, der ganz offensichtlich einen Kuchen enthielt. Bridget's Schürzenband, blieb ihm denn heute gar nichts erspart?
Das alte Mädchen alleine war ja schon schwer verdaulich, aber dann noch ihr Kuchen dazu....
Rasch schlug O'Reilly die Haustür wieder zu und verpasste dabei haarscharf Mavourneen's Näschen. Die kleine Tigerkatze sah ihn empört an und miaute laut.
"Na ja," sagte O'Reilly, "müssen wir halt nach hinten raus."
Die beiden schlüpften aus der Hintertür und durch den winzigen Garten auf den Feldweg hinter dem Haus, wo sie zusahen, dass sie davonkamen.
Das heißt, O'Reilly machte, dass er davonkam. Mavourneen suchte nach Mäusen und blieb wo sie war.
Über allerhand Umwege schaffte es der Alte, dass er ungesehen an den Bahnhof kam, denn er hatte vor, sich kurzentschlossen in den Zug zu setzen und in die Stadt zu fahren. Dass er nicht schon früher auf die Idee gekommen war! "Na ja," sagte O'Reilly, "hatte immer schon die besten Ideen wenn's zu spät war."
Dass bisher alles glatt gegangen war, stimmte ihn schon etwas misstrauisch, aber das Glück der Iren war ja Sprichwörtlich und so vertraute er auch weiterhin darauf, stelle sich guter Dinge am Fahrkartenschalter an und wartete brav, bis er dran war.
Was ihm zum Verhängnis wurde.....
Eine alte Dame direkt vor ihm kramte umständlich in ihrer Tasche nach dem Portemonnaie, als aus heiterem Himmel drei wild gewordene Kobolde auf O'Reilly zustürzten und laut "Alles Gute zum Geburtstag, Opa!" kreischten.
Die alte Dame zuckte entsetzt zusammen, ließ ihre Tasche fallen und musste sich am Schalter festhalten. "Heilige, steht mir bei!" keuchte sie, "diese Lümmel haben mich gerade zehn Jahre meines Lebens gekostet!"
O'Reilly wollte sich gerade bei ihr entschuldigen, als sich eine Pranke auf seine Schulter legte und eine tiefe Stimme brummte ihm "Ha, wolltest dich wohl mal wieder aus dem Staub machen an deinem Ehrentage, was? Nee nee, so nich mein Guter!" in's Ohr.
O'Reilly seufzte Schicksalsergeben.
Erwischt....
Inzwischen war der Rest der Familie vom Bahnsteig heruntergekommen und O'Reilly musste sich küssen, umarmen und gratulieren lassen. Toby und Zwillinge klammerten sich an ihn wie Affen, auf der einen Seite hatte sich seine Nichte eingehakt, auf der anderen hielt ihn die Schwiegertochter bei der Hand.
"Na ja," sagte O'Reilly, "hätte mich ja auch überrascht, wenns geklappt hätte. Komm ja schon seit Jahre nicht ums Feiern drum herum."
Finnegan, der ebenfalls erschienen war, hakte noch Mrs. Casey unter, klemmte ihre Tasche unter den Arm und schleppte sie trotz ihrer Proteste einfach mit. "Ach was, Annie! In die Stadt kannst du morgen auch noch fahren! Heut wird gefeiert, dass die Schwarte kracht!" "Morgen is aber Sonntag, da kann ich nicht!" zeterte sie zwar noch, aber das eher halbherzig. Und an O'Reilly gewandt, fügte sie in Gälisch noch hinzu: "Go maire tú an lá, Danny!"**
"Na ja," sagte O'Reilly, "aber dass ihr ausgerechnet mit dem Zug kommt, da hab ich jetzt doch nicht mit gerechnet."
Später am Abend, als wie üblich gesungen, gelacht, geflucht und gefeiert wurde, saß O'Reilly glücklich im Kreise seiner Familie, Freunde und Nachbarn.
Sein Schwiegersohn drückte ihm noch ein Bier in die Hand, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: "Sláinte agus saol chugat, Athair!"
O'Reilly grinste und prostete ihm zu: "Is minic a gheibhean beal oscailt diog dunta, Mac."*** Sie mussten beide lachen.
"Na ja, sagte O'Reilly," is ja doch schön, wenn ich euch alle um mich rum hab und wir was zu feiern haben. Aber dass ihr jedes Jahr so ein Mords-Gedröhns um mich machen müsst! Bin doch nicht der Papst....."
*********
Die Gälischen Sätze hab ich alle Hier und Hier gefunden:
Danke, Onkel Google! :D
*Breithlá sona duit=Happy Birthday; Bail ó Dhia ort=Gods Blessing on you (etwa: Gottes Segen auf dir/dich)
**Go maire tú an lá!=Many Happy returns! (Gratuliere, bei Geburtstagen/Jubiläen)
***Sláinte agus saol chugat=Health and long life to you; Gesundheit und ein langes Leben dir (Spock würde an der Stelle jetzt Live long and Prosper sagen ;D )
Athair-Vater
Is minic a gheibhean beal oscailt diog dunta=An open mouth often catches a closed fist=Gröbstens übersetzt: Wer die Klappe aufreißt, kriegt oft eine drauf.
Mac bedeutet natürlich Sohn.
A/N: Uff, O'Reilly bringt mich ganz schön auf Trab! Als die erste Geschichte entstand, hatte ich absolut keine Ahnung, dass O'Reilly Gälisch spricht. Denn ich tue es auf jeden Fall nicht!! (Sollte wohl eher sagen: Noch Nicht?)
Wenn ein Autor davon sprach, dass sich ein Charaktere "selbständig" macht, dachte ich früher immer: "Der/die spinnt doch! Wie kann sich was erfundenes "Selbstständig" machen! **Vogel zeig*
Na ja, immerhin kann ich mich auf Onkel Google verlassen, der hilft mit. Und kopieren und einfügen kann ich mittlerweile wie ein Weltmeister.....
In diesem Sinne:
Sláinte!

Samstag, 12. Juni 2010

Sonntag, 28. März 2010

Lá fhéile Pádraig Sona Duit, O'Reilly!!

Die längst überfällige St. Paddys Day Geschichte und nur eine Woche zu spät.;)
Dafür ist sie aber etwas länger als sonst von mir gewohnt, bin selber ganz platt (Die Halloween Geschichte dagegen ist immer noch nicht fertig...)

Also nachträglich noch Lá fhéile Pádraig Sona Daoibh alle miteinander*

O'Reilly, Finnegan, Conolly und Morrison waren extra schon am 16. in die Stadt gefahren, damit sie am nächsten Tag so früh wie möglich unterwegs sein konnten, ohne vorher Stundenlang im Zug sitzen zu müssen.
Das machten sie schon so seit sie junge Burschen waren, kaum den kurzen Hosen entwachsen. Und da sich alle 3 schon (sehr) weit rechts der 70 befanden, war das eine sehr lange Zeit. Nur Morrison konnte da nicht mithalten, er war erst 60 und galt noch als Jungspund.

O'Reilly's Sohn Pádraig wohnte am Rande der Stadt in einem umgebauten Pferdestall und O'Reilly schüttelte jedes mal erneut den Kopf , wenn er sah, wie sehr sich die Umgebung verändert hatte. Er öffnete gerade den Mund, da sagte sein Sohn schon: "Ich weiß, Papa: 'Na ja, Jungchen, als du noch kaum größer warst als ein Hosenknopf, gab's hier nur Wiesen und Felder."
O'Reilly grinste und boxte dem "Jungchen" freundschaftlich an die Schulter.

Später am Abend war es nicht leicht, die aufgeregten Zwillinge ins Bett zu scheuchen. Sie liebten es, wenn Opa Dan und Opa Finn zu Besuch kamen und besonders zu Gelegenheiten wie diesen.
Aber endlich waren die beiden Quietsch-sauber und im Schlafanzug und kuschelten sich in ihre Betten. Mit vor Müdigkeit schon fiebrig aussehenden Augen bettelten sie wieder und wieder um die alten Geschichten, die die beiden Alten ihnen nur zu gern erzählten: wie das Elefantenkind zu seinem Rüssel kam, das Märchen vom Schneider Fingerhütchen, Paddy Corcoran's Frau und eine völlig frei erfundene Geschichte von Finnegan, der behauptete, St. Patrick habe keinen Spinat essen wollen.

Am nächsten morgen waren die Racker natürlich zuerst wach, zerrten Finnegan und Opa Dan aus dem Bett, inhalierten ihr Frühstück und wären am liebsten im Schlafanzug los gezogen. Endlich waren alle Ausgeh-fertig und jeder trug etwas grünes, damit ihn die Leprechauns nicht sehen konnten, denn wer heute kein Grün trug, den zwickten sie. Gezwickt werden wollten die Zwillinge zwar nicht, aber einen Leprechaun wollten sie schon fangen. O'Reilly hatte den beiden nämlich erklärt, daß wer das Glück hatte einen der kleinen Kobolde zu fangen, ihn dazu zwingen konnte daß er sein Gold herausrückte, das am Ende des Regenbogens versteckt war. Man durfte bloß nicht weg-gucken, sonst machte sich der Kerl aus dem Staub. das Gold konnten die Jungs wirklich gut gebrauchen, denn sie mussten absolut und unbedingt ein echtes Feuerwehrauto haben.

Es war herrlich, sogar das Wetter spielte mit und man war sich allgemein einig, dass Petrus wohl doch Ire war, denn er hielt die Regenwolken fern. Die Messe zu Ehren des Schutzpatrons der grünen Insel war proppenvoll. Auf den Straßen waren Iren, Deutsche, Schweden und Amerikaner unterwegs, von Kopf bis Fuß in grün gehüllt, die Gesichter grün, weiß und orange geschminkt in den Farben der Irischen Fahne und alle genossen es für einen Tag Ire zu sein. Es war sogar eine Gruppe Japaner dabei, die sich gegenseitig fotografierten wie sie grünes Bier tranken, Hüte mit Riesen Kleeblättern daran aufsetzten und wie sie vor Pubs und Guinness Reklametafeln posierten.

Auch die Parade war wieder sehenswert und bildete den Abschluss einer vollen Woche von Feiern und allerhand kultureller Veranstaltungen. Blaskapellen, bunt gewandete Gestalten, die Fantasiekostüme oder historische Gewänder trugen, Festwagen und sogar eine Truppe Akrobaten waren zu sehen. O'Reilly liebte die Volkstanzgruppen am meisten, Jungen und Mädchen mit frischen Gesichtern, die je nach dem schwarze Hosen und lockere weiße Hemden trugen oder hübsch mit keltischen Mustern verzierte grüne Kleider und glänzende schwarze Lackleder Schuhe. Jeder Schritt der komplizierten Tänze war perfekt und es juckte O'Reilly gewaltig mitzumachen. Man mochte es ihm gewiss nicht mehr ansehen, aber in seiner Jugend konnte niemand im Dorf einen Gigue tanzen wie Danny O'Reilly. Begeistert klatschte er Beifall.

Seine Shannon war ebenso begeistert bei der Sache gewesen wie die Mädchen in der Parade. Die Locken hüpften als besäßen sie ein Eigenleben, die Augen strahlten fröhlich mit dem lächeln um die Wette und rot wie Äpfel leuchteten ihre Wangen. Je schneller die Musik spielte, desto lieber tanzte sie und manchmal gab es einen Wettbewerb zwischen Shannon und dem Fiedler, wer denn wohl zuerst aufgab.

Neben O'Reilly tauchte plötzlich eine nicht mehr ganz junge Amerikanerin auf, die ein T-Shirt mit der Aufschrift "Küss mich, ich bin Irin!" trug und strahlte ihn an. So was ließ sich O'Reilly natürlich nicht zweimal sagen und gab ihr einen herzhaften Schmatz auf die Wange. "Na ja," sagte O'Reilly, "kommt ja in meinem Alter auch nimmer so oft vor, nicht?"
Heimlich kippte er sein grünes Bier in Conolly's Pappecher. So groß war sein Durst nun auch wieder nicht.

Nach einer weile zogen sich die vier Alten in ein ruhiges Pub ein paar Straßen weiter zurück. Man hatte ausgiebig mit den Jungen gefeiert, nun wollten sie das auf ihre Weise tun. Es gab traditionell Grünkohl und Cornedbeef zum Mittagessen und man ließ es sich schmecken.
In der Ecke saß auf einem hohen Stuhl ein junger, lockenköpfiger Musiker und sang "Éirinn go brách."

"Na ja," sagte O'Reilly, "weißt du Finn, wenn du mich fragst, es kann einem nichts bess'res passieren, als Ire zu sein."
Er trank einen großen Schluck Bier (Cornedbeef macht durstig) und zeigte auf einen Japaner der gerade zur Tür herein stolperte.
"Selbst wenn's bloß für einen Tag lang ist."

A/N:*
Redwolf vom Foglam Gaeilge Forum war so nett, mir "Happy St. Patrick's Day" in's Gälische zu übersetzen.
Lá fhéile Pádraig Sona Daoibh bedeutet also demnach Happy St. Patrick's Day, wenn man eine Gruppe anspricht. Der Titel bedeutet das gleiche für eine Einzelperson.

Genug der Belehrungen, wo ist mein Guiness?

Sonntag, 14. März 2010

Erin Go Bragh

Da in 3 Tagen St.Patricks Day ist, ich es aber leider nicht gebacken kriege, eine leserliche Geschichte dazu zu schreiben, muss bis mir was einfaellt The Bard of Cornwall, Jesse Ferguson, einspringen. Er lebt in der Stadt Cornwall, Provinz Ontario in Kanada.
(Ich hoffe, das klappt hier...)

Sonntag, 27. Dezember 2009

O'Reilly, Beannachtaí na Nollag Duit!

Ja, ich weiss, diese Geschichte koennte hier schon lange stehen.... Trotzdem, Frohe Festtage!!

Heilig Abend war O'Reillys Cottage mal wieder brechend voll. Sein Sohn war mit Frau und Kindern aus der Stadt gekommen und hatte noch einen alten Freund mitgebracht. Und selbstverstaendlich war auch Finnegan da, er war ja schliesslich Teil der Familie. Die Zwillinge nannten ihn Opa Finn und hingen an ihm wie Kletten.

Ein kraeftiger Irischer Wind wehte mit einem Schubs O'Reilly's aelteste Enkelin herein, mit ihrem Mann und dem Baby, das vor Vergnuegen laut kreischte, als es den alten sah.
In der winzigen Kueche herrschte ein ordentliches Gedraenge, als die O'Reilly-Frauen mitgebrachtes zum Aufwaermen in das alte Backrohr schoben, Salate anrichteten, hackten, kneteten, schnippelten und ruehrten, Kindern Kekse in die Hand drueckten und sie dann davonjagten, damit sie nicht zwischen die Fuesse gerieten, Ehemaenner herumscheuchten, (Liebling, mach doch mal.....), lachten und tratschten.

Mavourneen, O'Reillys kleine Tigerkatze, sass oben auf dem Kuechenschrank und beaeugte argwoehnisch das Gewusel. Die letzen Tage hatten sie arg auf die Probe gestellt, als das kleine Cottage von oben bis unten geschrubbt und gewienert wurde (Innen) und einen frischen, leuchtend weissen Anstrich erhielt. (Aussen).  Das war zwar eine alte Tradition, aber dafuer interessierte sich eine Katze nicht. Und damit nicht genug, dann schleppten die Menschen haufenweise stacheliges Gruenzeug an und dekorierten alles damit, stellten ueberall Kerzen auf  und trieben und allerhand fuer eine kleine Katze unverstaendliche Sachen.
Irgendjemand stellte ihr eine Untertasse mit Milch auf den Schrank und warf ein Stueck Fisch hinterher.

Stuhlbeine scharrten, als sich alles um den festlich gedeckten Tisch draengte. Im Fenster leuchtete eine dicke, rote Kerze, die mueden Wanderen den Weg erhellen sollte und der kleine, windschiefe Baum in der Ecke auf einem kleinen Tischchen tat sein bestes um zur allegemeinen Festtagsstimmung beizutragen. Die duennen Aestchen, mit kuenstlichem Schnee, Lamettagirlanden und selbstgebastelten Ornamenten geschmueckt, breiteten sich ueber einen Stapel Geschenke aus, manchen professionell, andere etwas ungeschickt, aber mit viel Liebe eingepackt. Wie es sich gehoerte, hatten Toby und die Zwillinge geraetselt, was darinnen war, gepiekst, gedrueckt, gebohrt und geschuettelt, in der Hoffnung den Inhalt erraten zu koennen. Aber nicht nur die Kinder taten das, wie O'Reilly feststellte, der erst seinen Sohn und dann Finnegan erwischte, die ebenfalls piekten und bohrten.....

Auf dem Weg in die kleine Dorfkirche begann es zu schneien, die Kerzen in den Fenstern wiesen den Weg und Padraig O'Reilly stimmte mit seinem vollen Bass ein altes Weihnachtslied an. O'Reillys Enkelin rannte noch einmal zurueck, um zu ueberpruefen, ob die Kuchentuer unverschlossen war und keines der Kinder die Milch ausgetrunken hatte, die auf dem Kuechentisch neben einem Teller Keksen und Brot auf Maria und Josef warteten, damit sie sich staerken konnten.

Eingequetscht zwischen Familie und Freunden, das Gesangbuch in der Hand, rieselte O'Reilly ein warmer Schauer ueber den Ruecken. Na ja, genau so sollte Weihnachten wohl sein, nicht?

Nollaig Shona Duit, O'Reilly!!



A/N: Die Uebersetzungen des Irischen ins Deutsche (grob):
Nollaig Shona Duit - Froehliche Weihnachten 
Beannachtaí na Nollag Duit - Segen der Weihnacht fuer dich.
Da ich selber kein Gaeilge spreche, hab ich mich auf die Uebersetzungen in einem (Englischsprachigen) Forum verlassen muessen.....

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Klein O'Reilly

O'Reilly stiefelte mit seinen beiden Enkeln Marcus und Shaun über Wiesen und Felder nahe seines Dörfchens und hoffte darauf, daß den beiden irgendwann mal der Saft ausgehen würde.

Die Zwillinge rannten herum wie aufgezogen, scheuchten sich gegenseitig den steinigen Feldweg entlang, schubsten, zerrten und kniffen sich, fielen hin, standen wieder auf, hingen sich in den Hecken fest, hüpften auf und über die kleinen Steinmäuerchen, die die Felder säumten und wieder hinunter, sangen, johlten, stritten, kurzum, O'Reilly war selber schon fast erschöpft nur vom zusehen.

"Na ja," erklärte er Mavourneen, "vielleicht schlafen sie dann um so besser, mit all der frischen Luft und so."
Er putzte sich die Nase.
"Da könnse ruhig rennen bis zum Umfallen, hab ich mit ihrem Papa auch immer so gemacht."
Die kleine Katze marschierte fröhlich mit und hielt dabei nach Mäusen Ausschau.

Wie immer, wenn O'Reilly den beiden zusah, erinnerte er sich daran, wie es war, selber mal so klein gewesen zu sein.

Wie war die Welt so voller Wunder damals.....

O'Reilly setzte sich einen Moment auf eine der kleinen Steinmäuerchen, Mavourneen daneben.
Er streichelte ihr das kleine Köpfchen.

"Na ja," sagte er, "weißt du, is schon schade, daß so viele Leute vergessen, daß sie auch mal Kinder waren."
Er zupfte einen Grashalm aus und steckte das Ende in den Mund.

"Dabei is das doch das beste."

Auweh, O'Reilly....

Diese Geschichte entstand an einem Morgen, an dem es bei mir selbt ganz ordentlich zwackte. Den Spruch lieh O'Reilly sich passend zur Gelegenheit bei mir aus. Denn schließlich ist geteiltes Leid nur ein halbes Leid...

O'Reilly warf die Decken von sich und machte sich daran, seine alten Knochen aus dem Bett zu hieven. An allen Ecken und Enden zwackte, knarzte und knirschte es, quietschten die Gelenke.

Als er langsam und steif ins Bad schlurfte, während Mavourneen ihm den neuesten Klatsch aus der Nachbarschaft zutrug, fiel O'Reilly plötzlich der Blechmann aus einem alten Film ein.
Eingerostet stand er da, bis ihm jemand die Gelenke ölte.

O'Reilly musste lachen, als er sich vorstellte, jemand ölte seine Gelenke.

"Na ja," sagte O'Reilly, "solang's beim Aufwachen noch wehtut, is ja kein Grund zur Sorge, nicht??"